In Zeiten der Unsicherheit sei es besonders wichtig, mit Unternehmern aus anderen Branchen ins Gespräch zu kommen, schreibt Ado Vogt, der Präsident der Wirtschaftskammer, im «Unternehmer». Dies haben sich zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter der Sektionen der Wirtschaftskammer Liechtensteins zu Herzen genommen und gestern die Jahresversammlung 2026 besucht.
Wirtschaftskammer und LLB: Gute Zusammenarbeit
Dieses Jahr begrüsste der Präsident die Mitglieder und die Gäste im neuen Bankgebäude «Campus Giessen» der Liechtensteinischen Landesbank. Dies sei Zeichen der Wertschätzung zwischen Landesbank und Wirtschaftskammer und der guten Zusammenarbeit, betonen sowohl Ado Vogt als auch Adrian Eggenberger in seinen Grussworten als Vertreter der Gastgeberin LLB. Der Leiter Firmenkunden der LLB-Gruppe betonte die Bedeutung des neuen Standorts. Der «Campus Giessen» verstehe sich nicht nur als modernes Bankgebäude, sondern als Ort der Begegnung. Dass die Wirtschaftskammer ihre Jahresversammlung hier abhalte, unterstreiche die tiefe Verwurzelung der Landesbank mit dem heimischen Gewerbe. Adrian Eggenberger hob hervor, dass gerade in volatilen Zeiten eine verlässliche Partnerschaft zwischen Finanzinstitut und Unternehmertum das Rückgrat einer stabilen Volkswirtschaft bilde.
Früher Science-Fiction, heute Realität
In seiner Präsidialansprache fand Präsident Ado Vogt klare Worte für die aktuelle Lage. Er sprach von «struben Zeiten», die man vor zwei Jahrzehnten noch als reine Science-Fiction abgetan hätte. «Die Welt ist voller Unsicherheiten und es sieht nicht danach aus, als ob sich diese Situation bald verbessern würde», resümierte Ado Vogt. Vielmehr müsse man sich darauf einstellen, dass eine Krise die andere ablöst. Er wollte allerdings nicht über Herausforderungen lamentieren, sondern den Blick nach vorne richten. Liechtenstein habe in Krisen immer wieder einen Weg gefunden. Ado Vogt skizzierte eine Lösung, mit der das Land durch die Krisen navigieren könne, trotz globaler Störungen in den Handelsströmen: eine möglichst liberale Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik. Er warnte eindringlich vor zunehmenden Regulierungen und Bürokratisierung: «Muss es wirklich sein, dass die EU nach den Vorschriften über die Krümmung der Gurken sich auch noch mit der Abfallentsorgung in Liechtenstein beschäftigt?» Für so etwas habe er wenig Verständnis. Aber auch die selbstgemachte Bürokratie müsse kritisch unter die Lupe genommen werden, dabei habe es noch Luft nach oben.
Erfolgreicher Ertrag und gutes Eigenkapital
Die Traktandenpunkte wie Jahresbericht, Jahresrechnung, Revisorenbericht wurden zügig abgehandelt und wie erwartet einstimmig genehmigt. Der Geschäftsführer der Wirtschaftskammer Jürgen Nigg ging auf die Jahresrechnung 2025 ein. Diese zeigte einen sehr erfolgreichen Ertrag, was ermöglicht habe, Projekte und Dienstleistungen weiterhin auf hohem Niveau anzubieten, führte er im Jahresbericht aus.. Das äusserst positive Resultat, mit einem Gewinn von 74 646 Franken, sei jedoch zum grössten Teil aus dem betriebsfremden Erfolg entstanden, den LLB-Aktien. Das Eigenkapital sei zum ersten Mal überhaupt über 800 000 Franken, erklärte er, das sei auch gut so, denn es könnten auch schwierige Zeiten kommen, in denen es ein Minus geben könnte, «und dann stehen wir auf gesunden Beinen». Die Versammlung dankte es mit einer einstimmigen Genehmigung der Rechnung und der Entlastung des Vorstandes.
Katja Gey, Amtsleiterin im Amt für Volkswirtschaft, überbrachte die Grussworte der Regierung in Abwesenheit von Hubert Büchel, der zur gleichen Zeit im Landtag weilte. Sie konstatierte nüchtern, dass die «Unsicherheit zum Normalzustand» geworden sei. Angesichts von Entlassungswellen, die zuletzt auch Liechtenstein nicht verschonten, sei die Antwort der Regierung klar: Stabilität durch Verlässlichkeit.
Starker Wirtschaftsstandort in einer instabilen Welt
Gey plädierte für einen engen und vertrauensvollen Schulterschluss zwischen Politik und Wirtschaft. Der partnerschaftliche Ansatz habe sich bewährt, um die einzigartige Mischung des Standorts Liechtenstein zu bewahren. Den Fokus richtete sie auf die Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit, die Verfügbarkeit von Fachkräften und die konsequente Digitalisierung. Der Abend endete mit einem aufmunternden Ausblick: Gemeinsam wolle man dafür sorgen, dass Liechtenstein auch in einer instabilen Welt ein verlässlicher und starker Wirtschaftsstandort bleibe.
Liecht. Vaterland, 09.05.2026 von Corina Vogt-Beck
